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Akkordeonist, der sich als Solist, Virtuose und Komponist anspruchsvoller Stücke für Handorgel hervortat. Sein Vater stammte aus Konolfingen und übersiedelte mit Frau und Kindern während des Ersten Weltkriegs nach Schönenwerd. Hier versuchte sich Bobby Zaugg noch vor dem Eintritt in die Volksschule auf dem Bernerörgeli seines Vaters.
Als er sieben Jahre zählte, überliess ihm ein Freund der Familie öfters seine Handorgel zum Üben, ein 80bässiges, chromatisches Modell der Marke «Berna», deren Vertretung Vater Zaugg unlängst vom Fabrikanten Bestgen in Bern übernommen hatte. Von Anfang weg gewöhnte sich der musikbegeisterte Knabe das Melodiespiel mit fünf Fingern an, eine dazumal für einen Knopfgriffakkordeonisten ganz und gar unübliche Methode. Ungewöhnlich für einen Autodidakten war gleichfalls sein systematisches Lernen der Tonleitern, ebenso sein Fleiss, den er bei weiteren musikalischen Studien, wie Arpeggi in allen möglichen Tonlagen, an den Tag legte.
So gelang es ihm bald, selbst anspruchsvolle Stücke fehlerfrei nachzuspielen. Mit fünfzehn Jahren trat er der Knabenmusik Schönenwerd bei, wo er Klarinettenunterricht erhielt.
Auch als Bläser rasch vorangekommen, nahm ihn nach kurzer Zeit die «Harmonie» Aarau als 1. Klarinettisten auf. Nach Schulabschluss ging er in die Lehre als MaschinenSchuhmacher zu Bally in Schönenwerd, wo er nach der Ausbildungszeit noch eine Weile arbeitete. Nach einem privaten Musikstudium bei Hans Schlatt in Baden wurde er Mitglied des neugegründeten Kaffeehaus-Orchesters Karl Wüst in Aarau, dessen musikalische Leitung er als Akkordeonist, Klarinettist und Saxophonist übernahm und für das er Konzert- und Tanzarrangements schrieb.
Mit diesem Ensemble wandte er sich anfangs der dreissiger Jahre der Berufsmusik zu und gastierte so u.a. 13 Jahre lang während der Saison in Zermatt. Dazwischen anerbot er sich dort als Skilehrer und Bergführer. Einer seiner Skischüler war der Dirigent und Komponist Wilhelm Furtwängler, der lobende Worte für sein Akkordeonspiel fand und urteilte, Zaugg hätte ein «Kirmesinstrument» in den Dienst der wirklichen Kunst gestellt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg findet man Bobby Zaugg eine Zeitlang in den Orchestern Bob Engel und Bob Wagner. Dann gründet er das «Bobby-Zaugg-Quintett» und begibt sich 1951 nach Caracas, wo er als gefeierter Akkordeonsolist am Radio auftritt und bald das Vertrauen des Staatspräsidenten von Venezuela geniesst. Anschliessend bereist er weite Teile Südamerikas und konzertiert dort mit grossem Erfolg auf Bühnen und an Radiostationen. Bei einem Besuch in der Schweiz 1956 begegnet er der Akkordeonistin Lydia Sprecher (*1931), mit der er zusammen 1957 in Zürich und anderswo die ersten Konzerte gibt, wodurch sich eine zehnjährige Zusammenarbeit anbahnen sollte. Als Folge der regelmässigen Radioauftritte und der regen Konzerttätigkeit in allen grösseren Schweizer Städten, in den Nachbarländern, im Nahen Osten, in Kanada und in den USA ist jetzt Zauggs Name und mit ihm jener seiner Partnerin weitherum bekannt. Dazu tritt er vermehrt als Musikschaffender in Erscheinung, indem er neben Werken für Akkordeon auch Musik zu Theaterstücken und zu Filmen schreibt. 1965 erfolgt seine Wahl zum Ressortchef für Volksmusik bei Radio Zürich.
Damit endet zusehends seine Musikerlaufbahn. 1978 tritt er wegen eines Unfalls und der Erreichung der Altersgrenze von seinem Posten als Radiomann zurück. Nebst einer Vielzahl von Bearbeitungen hinterliess er an die 100 Eigenkompositionen, die grösstenteils im Verlag Walter Wild erschienen sind.



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